Spielbericht aus der Kneipe!
Samstag, 17. Januar 2010 – 13:00 Uhr – die Leinwand ist in Betrieb, das Bier ist bestellt, Schiedsrichter Günter Perl pfeift das Spiel an. Unser FC St. Pauli geht auf Punktejagd bei Rot Weiss Ahlen. Und die Erwartungen an das Spiel sind groß, dümpeln die Ahlener doch mit Ihren 8 Pünktchen auf dem letzten Platz vor sich hin. Am Nachbartisch herrscht lautstarke Einigkeit darüber, dass man so einen Gegner einfach weghauen muss. Irgendwo macht Jemand die Ansage: „Ein 5:0 ist auf jeden Fall drin!“ Zeit für den ersten Schluck Astra.
Genau zwei Minuten lang, dauert die gelöste Stimmung in der kleinen Kneipe an. Ahlen hat bereits die zweite Ecke erkämpft und Stürmer Thomas Bröcker hat die erste Torchance für Rot Weiss Ahlen. Zum Glück bravourös abgewehrt von unserem Torhüter Mathias Hein.
Jetzt muss es aber los gehen! Angespannt wird auf den ersten Gegenangriff gewartet. Überhaupt hat man den Eindruck, dass bei diesem Spiel vor allem unheimlich viel gewartet wird. Nach den ersten 15 Minuten warten wir immer noch. Ein ödes hin und her gekicke wird einem da geboten. Mal haben die einen den Ball, dann die Anderen. Pauli versucht es mal mit langen Pässen, dann mal mit kurzen. Es folgt ein Ballverlust. Ahlen versucht es mit langen Pässen, dann mal mir kurzen. Es folgt ein Ballverlust und die Chose beginnt von vorne.
Am Nachbartisch setzt ein Zuschauer zu einem kläglichen Versuch an das Spiel schön zu reden: „Regt Euch mal nicht auf, die versuchen nur Ruhe ins Spiel zu bringen.“ Als Dank erntet er spöttisches Lachen. „Gute Taktik – wenn man 3:0 vorne liegt!“ ,brummt sein Sitznachbar.
In der 20. Minute lenkt der Blick auf ’s Handy von dem spielerischen Totalausfall ein wenig ab. KonBon twittert live aus dem Stadion: „Spiel langweilig... Stimmung Genial.“ Bei insgesamt nur knapp 6.000 Zuschauern kaum zu glauben – aber wo Pauli Fans auftauchen ist eben immer Party angesagt.
Machen wir es kurz: zur Halbzeitpause hat Lechner eine gelbe Karte kassiert und das Verhältnis von Eckstößen steht 0:7 für Ahlen. Die Kneipe ist froh, dass es wenigstens noch 0:0 steht und alle hoffen kollektiv darauf das Holger Stanislawski eine Ansprache hält mit der er die Kabine in brandsetzt.
Schnell noch ein Astra nach kippen und ein bisschen über die Auswechslungen spekulieren. Und dann geht es frischen Mutes in die zweite Halbzeit. Alle sind sich einig: jetzt benötigen wir Einsatz, jetzt wird schneller gespielt, jetzt wird uns sicher Fußball geboten.
Und tatsächlich. Die Braun-Weißen versuchen druck aufzubauen. Es scheint so als würde man jetzt anfangen auf Sieg zu setzen. Die Ahlener müssen anfänglich in die Defensive gehen. Aber schon kurze Zeit später verspielt Pauli wieder zu viele Bälle bei zu simplen Ballwechseln. Vor allem das Mittelfeld scheint zu patzen. Zumindest der Wille ist da, die Mannschaft spielt konsequenter nach vorn, bleibt aber erfolglos.
Frischen Wind, bringen erst die Spielerwechsel. Pauli wechselt Hennigs gegen Boll und ein paar Minuten später Naki gegen Kruse. Ahlen tauscht Tankulic gegen Özkara. Und plötzlich ist Bewegung im Spiel.
Schließlich in der 77. Minute endlich der Befreiungsschlag. Wie im Bilderbuch: Bruns von rechts zu Hennings, Hennigs flankt von links in die Mitte und wie selbstverständlich verlängert Ebbers den Ball ins Tor. 0:1 für den Tabellen-Zweiten. Die Kneipe jubelt.
Ahlen regiert mit einer Auswechslung, für Lartey kommt Köse. Und auch Stanislawski wechselt in der 86. Minute noch ein letztes Mal. Für Takyi läuft zum ersten Mal unsere Leverkrusener Leihgabe Richard Sukuta-Pasu auf. Eine richtige Entscheidung, die sich schon 30 Sekunden später ausgezahlt hat.
Nach einem Zuspiel von Naki kann der Ahlener Torhüter Kirschstein nur hilflos zusehen wie der 19 jährige Sukuta-Pasu mit seinem Debüt-Tor den Sieg der Mannschaft besiegelt.
Kurz vor dem Schlusspfiff geben die Ahlener noch einmal alles. Aber vergebens, in der Nachspielzeit schießt Stürmer Marcel Busch den Ball in das Seitennetz von Keeper Mathias Hein.
Das Spiel ist vorbei. St. Pauli gewinnt mit 0:2. In der Kneipe schauen sich alle zufrieden an. Kein schönes Spiel, aber für die letzten fünf Minuten hat es sich doch mal wieder gelohnt. Die Mannschaft hat gewonnen, der zweite Platz ist erfolgreich verteidigt und für den Weg zum Aufstieg wurden drei Weitere Punkte gesichert.
Beim Verlassen der Kneipe wird sich darüber gestritten ob man als nächstes auf die Konferenzübertragung schalten, oder das folgende Spiel des HSV komplett sehen soll. Uns ist das egal. Wir freuen uns auf die nächsten drei Punkte gegen Alemannia Aachen. Dann wieder zu Hause und vor allem wieder im Stadion!



Januar 17th, 2010
Schön geschrieben… ich hab ja auch länger überlegt, ob ich da hinfahre, ein Glück hab ichs getan… Auswärtssieg ist geil!
Meine Erlebnisse mit Bildern und Videos folgenden (vielleicht noch heute).